Ein Bild entsteht im Kopf – Die Grundlagen 1

Auch wenn es den Anschein erweckt, ich würde die digitale Fotografie als Produzent von Massenware abstempeln und der herkömmlichen, analogen Fotografie den Vorzug geben, so ist das nicht meine Absicht. Im Gegenteil, ich betrachte die „neue“ Form, Fotos zu machen, für mich als Bereicherung und auch als Herausforderung.

Denn obwohl die Grundregeln der Bildgestaltung bei beiden Ablichtungsmethoden gleich sind, beinhaltet die digitale Fotografie doch eine etwas andere Herangehensweise. Ein Foto, das digital erzeugt wurde, ist sehr viel schneller verfügbar als auf herkömmliche Weise möglich. Die Bearbeitung des Bildes am Computer eröffnet völlig neue Möglichkeiten, ein misslungenes Bild zu retten,  eine Aufnahme aufzuwerten oder sogar ein völlig neues Werk zu schaffen. Kleinere Belichtungsfehler oder nicht ganz gelungene Bildausschnitte werden einfach passend gemacht. Insofern lohnt sich hier auch ein zweiter oder dritter „Schuss“. Die einzige Grenze hier ist der verfügbare Platz auf dem Datenträger, auf dem die Bilder gespeichert werden (=Karte oder Festspeicher). Drum rüste sich jeder, der viele Fotos am Stück machen möchte, mit einem zusätzlichen Speicherchip aus.

Mein persönliches Fazit: Wenn ich die Vorteile beider Systeme verbinden möchte, kann ich dies am besten mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR). Denn es macht keinen Sinn, Fotos, die mit einer hochwertigen analogen SLR gemacht wurden, mit Fotos zu vergleichen, die mit Hilfe einer digitalen Sucherkamera entstanden sind. Äpfel sind eben keine Birnen!

Was sind nun aber die Grundlagen eines durchdachten, gestalteten Fotos?

Technik

Die 1. Voraussetzung für ein gutes Bild ist die Beherrschung der von der Kamera verwendeten Technik. Dies gilt zunächst für die Grundfunktionen wie Scharfstellen eines Motivs, Wahl der besten Blitzeinstellung oder ggf. die Verwendung eine sog. Motivprogramms als auch für die erweiterten Möglichkeiten. Dies sind z.B. Messmethoden für die Belichtung, Wahl der richtigen Auflösung oder Steuerung der Tiefenschärfe (wird auch gern als Schärfentiefe bezeichnet und meint dasselbe) Die Beschäftigung mit Kamera-Einstellmöglichkeiten und das „Herumprobieren“ lenkt in aller Regel vom Motiv ab und lässt die Idee vom Bild in den Hintergrund treten, wenn man die Technik nicht beherrscht.

Licht und Schatten

Wenn die erste Voraussetzung gegeben ist, sollte man sich mit der Wechselwirkung von Licht und Schatten und den daraus resultierenden Auswirkungen auf das Bild beschäftigen. Ein Bild lebt auch von Kontrasten und gerade das Licht spielt dabei eine sehr große Rolle. Ein Bild mit durchweg ausgewogenen Kontrasten kann technisch und motivbezogen einwandfrei sein; erst das Zusammenspiel von Licht und Schatten verleiht dem Bild Tiefe und Struktur.

Licht und Schatten

Als Beispiel möchte ich das obige Bild nehmen. Es entstand an einem Spätherbsttag, ich hatte die Idee im Kopf, im Hintergrund die Lichtreflexe der Sonne auf der Wasserfläche einzufangen und  gleichzeitig im Vordergrund durch ausgeprägte Schatten zu betonen. Dabei sollte das Hintergrundmotiv scharf und das Vordergrundmotiv unscharf sein, um das Hauptmotiv nicht zu überlagern. Das Bild entstand vor der Aufnahme in meinem Kopf; den Ausschnitt „scannte“ ich grob vor mit dem Finger-Sucherblick und abschliessend mit dem Zoomobjektiv.

Finger-Sucherblick

Das Foto gelang mir bei tief stehender Sonne und  Lichteinfall  von links oben. Das Foto ist gänzlich unbearbeitet und entstand mit meiner Contax 137 MA, meiner dritten analogen SLR, sozusagen meinem Lieblingswerkzeug. Als Objektiv wählte ich hier ein 28-70mm Zoomobjektiv mit relativ hoher Lichtstärke (2,8-5,6). Das Filmmaterial war ein 100ASA-Farbnegativfilm von Kodak, die Entwicklung erfolgte im Fotolabor direkt auf CD. Ich habe lediglich die Größe und den Umfang des Bildes den Vorgaben  dieses Blogs angepasst.

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